Home
Satinangora
Jamora
Meine Kaninchen
Abzugeben
Haltung
=> Meine Ställe
=> Buchtenstall
=> Vergesellschaftung
Gesundheit und Krankheiten - Tagebuch
Futter
Die Schur
Kaninchenfarben und Genetik
Links und Literatur
Andere Tiere
Tierkennzeichnung
Impressum
Gedanken zu Tierschutz, Zucht und Schlachtung
Tierheilpraxis
Gästebuch
 

Haltung

Die Haltung von Angorakaninchen stellt besondere Anforderungen an den Halter. Das geht über das normale Maß von Kurzhaarkaninchen hinaus und darüber muss man sich in Klaren sein, bevor man sich für die Rasse entscheidet. Eingehende Information VOR der Anschaffung der Tiere ist ein absolutes Muss.

Angorakaninchen sehen sich immer wieder und mit zunehmender Häufigkeit in die die Qualzuchtecke gestellt. Argumente sind oft, dass die Tiere sich nicht selbst pflegen könnten, dass sie aufgrund des langen Haarkleids unter Verfilzungen, Kotanhaftungen und Haarballen im Magen leiden würden. Man liest teilweise von Berichten über Angorakaninchen, in deren Afterbereich Maden zu finden sind und die unter ihrem verfilzten Fell Hauterkrankungen entwickeln. Diese Berichte können nur auf schlecht oder gar nicht gepflegte Kaninchen in falscher Haltung zutreffen! In einer solchen Haltung würde auch ein Kurzhaarkaninchen erkranken. Ein korrekt gepflegtes Angorakaninchen wird weder verfilzen, noch Hauterkrankungen und Parasiten zum Opfer fallen. Lediglich in den Bereichen des Körpers, an denen naturgemäß viel Bewegung herrscht, gibt es immer mal wieder kleine Filznester: Im Nacken, unter den Achseln und zwischen den Hinterbeinen. Diese kleinen Filzansätze kann man leicht herauszupfen oder auskämmen. Es genügt bei meinen Tieren eine zweiwöchentliche Kontrolle. Schmutz kann ein Auslöser bzw. Ursprung für Filz sein. Deshalb ist die Haltung auf blanken Holzspänen nicht empfehlenswert. Die kleinen Späne kriechen förmlich in die Wolle hinein und an ihrer rauen Oberfläche verhaken sich die Haare, um letztendlich zu filzen. Eine Einstreu mit großen, glatten Teilen, z.B. Stroh, schafft hier Abhilfe. Man kann sehr gut die Späne mit Stroh abdecken, um die Saugkraft mit der wollschonenden Oberfläche zu verbinden. Da ein verantwortungsvoller Halter ohnehin täglich nach seinen Tieren sieht, mindestens bei der Fütterung, sollten Anhaftungen, die das Kaninchen nicht selbst entfernen kann, auffallen bevor es zu Filz kommt. Dann kommt ein grobzinkiger Metallkamm mit gut abgerundeten Zinken (also ohne scharfe Grate oder Spitzen) zum Einsatz, um die Knötchen aufzulösen und den Fremdkörper zu entfernen. Auch eine gute Schere sollte immer bei der Hand sein, um hartnäckigere Partikel und Knoten herauszuschneiden. Angorakaninchen, die aus einer durchdachten, sachkundigen Zucht stammen, neigen kaum zum Filzen, denn ein relativ pflegeleichtes Wollvlies war und ist in der Rassezucht ein wesentliches Auswahlkriterium. Eine Ausnahme bilden hier Kastraten, denn durch den Wegfall der Geschlechtshormone verändert sich die Wollstruktur, wird wattig und weich und filzt dadurch leichter.
Tiere, die zum Filzen neigten, wurden schon in den Anfängen der Zucht aussortiert. Ja, das führte diese Tiere zumeist in den Kochtopf, aber auch das ist grundsätzlich ja nicht verwerflich. Die Anfänge der Rassekaninchenzucht lagen vorrangig in Zeiträumen, da die Nahrungsversorgung der Bevölkerung nicht grundlegend sichergestellt war und man sich möglichst selbst versorgte. Daher ist das Angorakaninchen zum Teil immer auch Schlachttier gewesen und ist es noch, da es mit 3,5-5kg Körpergewicht schon einen respektablen Braten abwirft.
Um zurück zum Thema Haltung zu kommen: Heutige Angorakaninchen aus guter Zucht sind pflegeleichter als es die Tiere vor 100 Jahren waren. Vielerorts findet man die Haltung auf Rosten, die meist generell abgelehnt wird. Roste sind jedoch in Züchterkreisen nicht unüblich, auch für Kurzhaarrassen, und richtig ausgewählt und verwendet können sie positive Auswirkungen haben. Wichtig ist, dass der Rost nicht aus dünnen Drähten bestehen darf, sondern für die Kaninchenpfoten ein bequemer Laufgrund sein muss, um wunde Läufe und Verletzungen durch Durchtreten oder Festhängen zu vermeiden. Dem Angorakaninchen wurde eine üppige Pfotenbewollung angezüchtet, einerseits um die Jahreswollleistung zu erhöhen (obwohl die Pfotenwolle aus Verarbeitungssicht unbrauchbar ist), andererseits um den Kaninchen ein Polster gegen Drahtroste zu verschaffen. Ich schneide die überflüssige Bewollung regelmäßig weg, damit das Kaninchen sich besser mit den Pfoten putzen kann und im Sommer über die Läufe Wärme ableiten kann. Heutzutage sollte es mMn üblich sein, Angorakaninchen auf Stroh zu halten oder den Stall so einzurichten, dass das Kaninchen die Wahl zwischen einem festen Boden und dem Rost hat. Vielfach wird in letzterem Fall berichtet, dass die Tiere gern auf dem blanken Holzrost liegen, sogar vorhandenes Stroh beiseite schieben. Es ist nicht zu leugnen, dass es dem Kaninchen unter seiner Wolle warm wird, daher sucht es sich Abkühlung, indem es die weniger behaarten Innenseiten der Schenkel auf einen kühlen Untergrund legt.

Ich selbst halte meine Tiere komplett auf Stroh. Im Sommer lasse ich einen Teil des Betonbodens frei, dort suchen die Tiere Abkühlung. Im Außengehege macht ihnen entgegen landläufiger Meinung auch Regen nichts aus. Die Wolle ist zwar nicht mehr so wasserabweisend wie eine geschlossene Normalhaardecke, aber eine gewisse Schutzfunktion hat sie dennoch. Wie jedem anderen Kaninchen muss natürlich auch dem Angora ein jederzeit zugänglicher trockener, zugfreier Rückzugsort zur Verfügung stehen. Schneefall macht ebenfalls nichts aus, die Schneekristalle bleiben außen an den Haarspitzen haften und werden aufgrund der hervorragenden Isoliereigenschaften der Wolle nicht von der Körperwärme angeschmolzen. Ein kurzes Schütteln genügt und das Kaninchen ist wieder schneefrei. 

Wer zum ersten Mal Angorakaninchen kauft, muss unbedingt darauf bestehen, das richtige Scheren gezeigt zu bekommen! Wenn der Verkäufer der Tiere das verweigert, Finger weg! Ein verantwortungsbewusster Züchter weiß um den Pflegemehraufwand und um die Anfangsschwierigkeiten der Schur und ist um das Wohlergehen seiner Tiere besorgt genug, um sie nicht unkundigen Händen zum Experimentieren zu überlassen. Sicher kann man sich das Scheren selbst aneignen, muss dabei aber auch mit erheblichen Fehlschlägen und dem damit verbundenen Leiden des Tieres rechnen.

Auch Angorakaninchen sind grundsätzlich erstmal Kaninchen mit den gleichen Grundbedürfnissen wie alle anderen Kaninchen auch: 
-Bewegung: Faustregel sind 2m² pro Tier, rund um die Uhr
-natürliches Futter: stark verarbeitetes "Alleinfutter" in Pellet-, Kroketten- oder sonstiger unnatürlicher Form schädigen den Verdauungstrakt auf Dauer
-Gesellschaft von Artgenossen: weder der Mensch noch ein Meerschwein sind ein ausreichender Ersatz für artgleiche Gesellschaft. Sozialverhalten und Kommunikation sind zu verschieden, als dass sowohl Kaninchen als auch Meerschwein ihre Bedürfnisse stillen könnten. 
Grundlegende Informationen über Kaninchen allgemein muss sich jeder verschaffen, der plant, sich diese Tiere anzuschaffen. Sehr schön ist die Seite kaninchenwiese.de. Auch Foren können nützlich sein, hier muss man allerdings berücksichtigen, dass jeder User seine eigene Meinung hat und diese auch kundtut. Man muss sich also aus allen Informationen die heraussuchen, die für die eigene Situation am besten zutreffen und sich aus dem ganzen Mosaik der verschiedenen Herangehensweisen und Ansichten sein persönliches Muster zusammenstellen.
Als nächster Schritt kommt die detailliertere Information über die gewünschte Rasse (Angora sind nicht die einzigen Kaninchen, die eine besondere Pflege verlangen). Dann wird der Stall gebaut - fertig! Nicht gerade so weit, dass er nutzbar ist, sondern endgültig FERTIG! Eine alte Bauernweisheit heißt nicht umsonst: Erst der Stall, dann das Vieh! Und wenn das alles bereit ist, können die Tiere angeschafft werden.




Heute waren schon 1 Besucher (31 Hits) hier!
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=